10 JUL

2018

Asset Allocation , Macro , Asset Class

Japan, Land der steigenden Unsicherheiten

Wie sich Japan aus Sicht von Candriam entwickeln wird?

Neben geringeren Basiseffekten litt das japanische Wirtschaftswachstum im ersten Quartal auch unter der allgemein schwächeren Konjunktur der Industrieländer. Erstmals seit dem vierten Quartal 2015 ging das japanische BIP zurück.  Obgleich das Wachstum geringer ausfiel als noch Anfang des Jahres erwartet, bleiben wir grundsätzlich optimistisch: Die Löhne steigen, und zwar stärker als die Inflation. Im Mai betrug die Arbeitslosenquote 2,2 %. Nach dem jüngsten Tankan-Bericht, der am 2. Juli veröffentlicht wurde, sind die Unternehmen zudem entschlossen, weiter zu investieren.  Weil die Wirtschaft jetzt zwei Jahre in Folge gewachsen ist, ohne dass die Inflation nennenswert stieg, dürfte sich die Geldpolitik nicht ändern.

Dieses Szenario unterliegt zwei Risiken. Erstens könnte sich der Handelskrieg zwischen den USA und China verschärfen, sodass Unternehmen ihre Investitionen verschieben und weniger neue Mitarbeiter einstellen als geplant. Der daraus folgende weltweite Konjunkturabschwung würde auch Japan betreffen. Zweitens hat die Beliebtheit von Premierminister Shinzo Abe nachgelassen, was größtenteils am Moritomo-Skandal liegt. Damit haben sich seine Chancen auf die Wiederwahl zum LDP-Vorsitzender im September verringert.  Wenn Shinzo Abe nicht wiedergewählt wird, könnte der neue Vorsitzende (der de facto auch der neue Premierminister würde) die Finanz- und Wirtschaftspolitik Japans in eine andere Richtung lenken.

 

Gibt es überhaupt weitere Kandidaten für die bevorstehende Wahl des LPD-Vorsitzenden?

Nach Angaben der Asian Nikkei Review dürfte die LDP Ende August entscheiden, wann die Wahl stattfinden wird. Ein möglicher Termin ist der 20. September, so dass der Wahlkampf am 7. September begänne. Bislang hat sich noch kein Kandidat offiziell um das Amt beworben. Einige Namen kursieren aber bereits, darunter der des früheren LDP-Sekretärs Shigeru Ishiba, des Politikchefs der Partei, Fumio Kishida, und des Ministers für Inneres und Kommunikation, Seiko Noda.

Alle Kandidaten scheinen sich um die Nebenwirkungen der Geldpolitik und die Rückführung des Quantitative Easings zu sorgen (Zeitplan, Strategie...). Aber in puncto Fiskalpolitik betonen alle, wie wichtig die Haushaltskonsolidierung sei. Die Unterschiede sind marginal; die meisten sprechen sich für eine Anhebung der Mehrwertsteuer aus, voraussichtlich im Oktober 2019.

 

Welche Folgen könnten politische Veränderungen in Japan für japanische Aktien haben?

Seit letztem Sommer waren wir optimistisch für japanische Aktien. Seit Juni sind wir aber vorsichtig geworden. Wie bereits beschrieben, ist die Wahl des LDP-Vorsitzenden spätestens im September ein Risiko für Premierminister Abe, sodass die Abenomics (eine Kombination aus expansiver Geld-, Wirtschafts- und Fiskalpolitik) unter Druck geraten könnten. Die in allen Bereichen expansive Politik ist entscheidend für die japanische Wirtschaft. Hinzu kommt, dass eine Eskalation des Handelskriegs den exportorientierten japanischen Aktienmarkt hart treffen würde.

Der japanische Yen zeigt sich deshalb einmal mehr als sicherer Hafen und bildet ein Gegengewicht zur Zinsdifferenz. Unternehmen können sich daher nicht mehr darauf verlassen, dass die schwache Währung die Auslandsgewinne stützt. Die Gewinndynamik japanischer Unternehmen lässt nach. Die Aktienkurse steigen zurzeit kaum noch. In anderen Ländern dürfte das ganz anders aussehen.