13 JUL

2018

Macro , Asset Class

China: Anfällig für die Folgen eines Handelskriegs?

Bis jetzt ist es den chinesischen Behörden gelungen, die Wirtschaft auf Kurs zu halten. Zu Jahresbeginn war das Wachstum hoch, mit 6,8 % gegenüber dem Vorjahr im 1. Quartal, doch wachsende Handelsspannungen können die Konjunktur natürlich dämpfen. Konkrete Maßnahmen halten sich aber noch in Grenzen: Die USA haben zwar gerade Zölle von 25 % auf Importe aus China im Wert von 34 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben, doch betrifft das nur 0,3 % des chinesischen BIP (Abbildung 1). Insgesamt sollte das wirtschaftliche Umfeld in China auf Kurs bleiben, zumal die Behörden bereits Maßnahmen zur Stützung der Aktivitäten ergriffen haben (die Mindestreservequote wurde seit Jahresbeginn zweimal gesenkt); wenn nötig, werden sie auch nicht zögern, fiskalische Stimulierungsmaßnahmen zu ergreifen.

Kommen wir zu strukturellen Maßnahmen: China ist es gelungen, den Anstieg der privaten Verschuldung zu bremsen (Abbildung 2). Das Hypothekenkreditvolumen steigt nicht mehr so schnell, und die Hauspreise, die in den großen Tier-1-Städten massiv zugelegt hatten, haben sich stabilisiert oder sind sogar etwas gefallen. Außerdem hat sich die Verschuldung der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors relativ zum BIP stabilisiert. Auch scheint es den Behörden zu gelingen, den Schattenbanksektor einzudämmen. Dennoch bleiben der Handelskrieg und die Wechselkursentwicklung des Renminbi Herausforderungen. Wenn die Spannungen mit den USA weiter steigen, könnten die chinesischen Finanzmärkte volatiler werden.

Das chinesische Leistungsbilanzdefizit könnte zu einer weiteren Renminbi-Abwertung führen. Tatsächlich ist das Dienstleistungsbilanzdefizit immer weiter gestiegen, während der Handelsbilanzüberschuss geschrumpft ist (Abbildung 3). Trotz strengerer Kapitalkontrollen bleiben die Kapitalabflüsse, erfasst in den Restposten, mit jährlich 200 Milliarden US-Dollar hoch (Abbildung 4). Hinzu kommt, dass die Fremdwährungsverschuldung der Unternehmen, die seit 2015 zurückgegangen war, wieder zu steigen beginnt (Abbildung 5). Wenn sich der Handelskonflikt verstärkt, könnte wieder Druck auf den Renminbi entstehen (Abbildung 6). Doch China hat hohe Fremdwährungsreserven, und das Land hat bislang gezeigt, dass es Kapitalabflüsse, wenn nötig, bremsen kann.