20 MAI

2019

Themen , Makro

Vereinigtes Königreich: Das Hin und Her belastet das Wachstum

Im ersten Quartal 2019 betrug das Wachstum im Vereinigten Königreich auf das Jahr hochgerechnet 2 % gegenüber dem Vorquartal. Die Aufgliederung des Wachstums zeigt jedoch noch deutlicher einen Trend, der sich bereits seit mehreren Monaten abzeichnet: Der private Konsum und die produktiven Investitionen befinden sich auf schwachem Niveau. (Grafik 1). Die Wiederaufstockung der Lagerbestände durch die Unternehmen hat die Wirtschaft noch einmal deutlich unterstützt: In den letzten vier Quartalen haben die Lagerbestände im gleichen Maße wie der Konsum zum BIP beigetragen! Die Entscheidung der Unternehmen und der Regierung, mögliche Versorgungsengpässe zu antizipieren – das Brexit-Datum wurde ursprünglich auf den 29. März festgelegt –, erklärt zum großen Teil diesen außergewöhnlichen Beitrag. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass dieser Beitrag teilweise durch einen erheblichen negativen Beitrag der Einfuhren ausgeglichen wurde. Was die stark gestiegenen britischen Ausfuhren betrifft, so sind diese weitgehend auf einen ähnlichen Trend bei einigen europäischen Unternehmen zurückzuführen, die mit Blick auf den Brexit ihre Lagerbestände aufstocken (Grafik 2).

In den nächsten Monaten dürfte sich das Wachstum weiter abschwächen: Der Beitrag der Lagerbestände wird negativ werden und die Ausfuhren werden zurückgehen. Die Unsicherheit über den Ausgang der Verhandlungen mit Europa wird auch weiterhin die Unternehmensinvestitionen belasten. Die jüngste Umfrage der Bank of England[1]  zeigt klar, dass die Unsicherheiten rund um den Brexit für 25 % der befragten Unternehmen zu einem Rückgang der Investitionsprogramme führen werden. Bei einer Arbeitslosenquote von 3,8 % und einem Anstieg der Löhne um mehr als 3 % sollte der Konsum jedoch zumindest kurzfristig verhindern, dass sich das Wachstum gefährlich abschwächt...  


[1] Ergebnis der Decision Maker Panel survey von 2019T1 (Bank of England)