29 AUG

2018

Asset Allocation , Team Asset Allocation

Realisierung von Mehrertrag bei US-Titeln

Höheres Engagement im Euroraum und den Emerging Markets

Seit Anfang Juni ist Candriam in US-Aktien übergewichtet. Seitdem haben sich US-Aktien erheblich besser entwickelt als Papiere aus anderen Ländern und erreichten schließlich ein Allzeithoch. Hinzu kam die Aufwertung des US-Dollars. Aus unserer Sicht sind jetzt alle wichtigen positiven Faktoren in den Kursen weitgehend berücksichtigt. Deshalb haben wir unsere Übergewichtung verringert und die taktischen Positionen in Aktien aus den Emerging Markets und dem Euroraum aufgestockt.

Der Zeitpunkt war günstig für Gewinnmitnahmen bei US-Aktien. Das US-BIP dürfte in diesem und im nächsten Jahr weiter um etwa 3% wachsen. Das ist deutlich mehr als das Potenzialwachstum. Dies hat zu einer Überhitzung des Arbeitsmarkts geführt. Allmählich entsteht Lohndruck. Hinzu kommt, dass die diesjährigen staatlichen Konjunkturprogramme bis weit ins Jahr 2019 andauern werden. Deshalb steigen die Unternehmensgewinne stark und sorgen am US-Aktienmarkt für neue Allzeithochs.

Die Ursachen für die US-Dollar-Aufwertung sind jetzt in den Kursen berücksichtigt. Weil die US-Wirtschaft stabil ist, setzt Fed-Chef Jay Powell die von seiner Vorgängerin Janet Yellen Ende 2015 eingeführte „wunderbare Normalisierung“ fort.  Hinzu kommt, dass außerhalb der USA Risiken für die Weltwirtschaft entstanden sind, vor allem durch Krisen in einzelnen Schwellenländern (wie der Türkei, Venezuela und Argentinien) und Unsicherheiten in Europa (italienischer Staatshaushalt, Brexit). Sie haben der Aufwertung des Greenback Vorschub geleistet. Ein dritter Grund für die Dollaraufwertung in den letzten Quartalen war die aggressive Rhetorik zum Thema Handel. Sie hat zu einer Abwertung des chinesischen Renminbi um 10% geführt. Aus unserer Sicht hat die Renminbi-Abwertung die Auswirkungen der höheren US-Einfuhrzölle mehr als ausgeglichen, sodass China seine Ziele erreicht. Anders als 2015 ist die schwache Währung kein Warnsignal.

Die Schwäche der Emerging-Market-Papiere ist übertrieben. In der Regel ist Protektionismus für Anlagen außerhalb der USA ein hohes Risiko, weil die anderen Länder und damit auch ihre Unternehmensgewinne exportabhängiger sind. Wenn die Handelskonflikte nachlassen, dürften Aktien aus dem Euroraum und den Emerging Markets einen Teil der Verluste der letzten Monate aufholen. Zurzeit geben die Kurse die Risiken eines Handelskonflikts aus unserer Sicht in ausreichendem Maße wieder. Außerdem sind die investoren weltweit in Emerging Markets untergewichtet. Die Mittelabflüsse sind zuletzt nicht mehr gestiegen und die Emerging Markets profitieren sehr von einem Ende der US-Dollar-Aufwertung.

Erstmals in diesem Jahr nimmt das Wachstum im Euroraum Fahrt auf. Weil das Wachstum 2017 überraschend hoch war, wurden die Konsenserwartungen für die erste Jahreshälfte 2018 deutlich gesenkt. Candriam erwartet in der zweiten Jahreshälfte bessere Konjunkturnachrichten aus dem Euroraum. Sie dürften den Euro stützen. Aktuelle Indikatorwerte wie die Composite-PMIs und der Ifo-Index für August zeigen, dass die Konjunktur trotz der Angst vor einem Handelskrieg und politischen Unsicherheiten stabil bleibt.