13 FEB

2020

Zuweisung von Vermögenswerten , Nadège Dufossé , Themen

Optimismus oder Selbstgefälligkeit?

Die Aktienmärkte scheinen sich in einem soliden Aufwärtstrend zu befinden. Nichts scheint sie seit Jahresbeginn von diesem Kurs abbringen zu können!

Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA Anfang Januar führten zu einem leichten Anstieg der Volatilität, die schnell wieder auf die Tiefststände vom Dezember zurückging. Die kürzliche Mitteilung der WHO über die Entdeckung eines neuen Coronavirus in China Ende Januar löste eine recht ernsthafte Welle der Besorgnis auf den Märkten aus, die jedoch schon fast wieder vergessen ist. Der US-Markt (S&P 500) hat seit Jahresbeginn um über 4 % angezogen und erreichte heute (11. Februar 2020) ein neues Allzeithoch. Der Kontrast zwischen der Stärke des positiven Momentums auf den maßgeblichsten Aktienindizes und der Welle besorgniserregender Nachrichten, die uns täglich erreichen, war selten größer. Also, Optimismus oder Selbstgefälligkeit?

Die Aktienanleger scheinen entschlossen auf Optimismus zu setzen. Wir wissen, dass das erste Quartal stark von den außergewöhnlichen Maßnahmen der chinesischen Behörden beeinflusst wird: Ganze Regionen, die fast 50 % des chinesischen BIP ausmachen, sind von Quarantänemaßnahmen oder Reisebeschränkungen betroffen, zudem wurde die Schließung von Unternehmen und Werken über die übliche Urlaubszeit zum chinesischen Neujahrsfest hinaus verlängert. Einige Sektoren sind besonders stark betroffen: Auf China entfallen weltweit fast 30 % der Industrieproduktion, mehr als 20 % des Energieverbrauchs und etwas mehr als 10 % des weltweiten Konsums.

Konsum und Produktion werden in China und seinen engen Partnern „vorübergehend“ sehr stark betroffen sein. Worauf beruht dann der Optimismus, den die Aktienanleger an den Tag legen? Vereinfacht ausgedrückt lässt sich sagen, dass die Aktienmärkte davon ausgehen, dass diese Einbrüche, so stark sie auch sein mögen, nur vorübergehender Natur sind und in der zweiten Jahreshälfte weitgehend wettgemacht werden dürften. Dies ist durchaus möglich, wenn sich in den kommenden Wochen der Höhepunkt der Epidemie abzeichnet, wenn die Todesfallquote nicht zunimmt und die Ansteckung außerhalb Chinas sehr begrenzt bleibt. Unter diesen Voraussetzungen wird sich die Wirtschaftsaktivität wieder beleben und im zweiten und dritten Quartal die Verluste vom Jahresanfang ausgleichen. Die Anleger sind in gewissem Maße an schlechte erste Quartale gewohnt und konzentrieren sich daher verstärkt auf den Rest des Jahres...

Ist das vertretbar? Ab wann lässt sich von Selbstgefälligkeit reden? Nicht alle Finanzmärkte senden die gleichen Signale aus. Die Ölpreise sind seit Anfang Januar um 25 % gefallen, die Preise für Industriemetalle haben ebenfalls um 10 % nachgegeben und die US-Zinsen sind nahezu wieder auf das Niveau vom letzten Sommer zurückgefallen, als die Investoren eine Rezession für 2020 befürchteten. Auch bei der Auswahl der Aktien gehen die Anleger selektiv vor: Die Stile „Wachstum“ und „Qualität“ übertreffen zyklische und „Value“-Titel. Ob die Aktienmärkte nun optimistisch oder selbstgefällig waren, wird sich erst im Nachhinein zeigen.

Die Aktienmärkte erweisen sich eindeutig optimistischer als die Rohstoffmärkte oder der Rentenmarkt. Seit Ende Januar sind wir etwas zurückhaltender und wollen abwarten, wie sich die Epidemie entwickelt und welche Auswirkungen sie haben wird.

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Nadège Dufossé

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