Japanische Aktien schneiden seit dem Rücktritt des japanischen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der Liberaldemokratischen Partei (LDP) besser ab als globale Aktien. Der Rücktritt wurde als Folge der niedrigen Umfragewerte vor den wichtigen Wahlen zum Unterhaus des japanischen Parlaments, dem National Diet, gesehen.

Die japanischen Aktien legten zu, da die ersten Ergebnisse des COVID-19-Impfprogramms positiv ausfielen und der gesundheitsbezogene Ausnahmezustand in den 19 Präfekturen des Landes möglicherweise aufgehoben werden kann. Der Hauptauslöser für die positive Stimmung der Marktteilnehmer war jedoch die Möglichkeit einer starken Regierung mit einer reformorientierten und akkommodierenden Politik, die die Reformen von Abe fortsetzt und vertieft.

Wie gut kehrt der „neue Besen“?

Fumio Kishida, der seit Ende September der regierenden LDP vorsitzt und damit auch das Amt des Premierministers bekleidet, war unter Shinzō Abe Außen- und Verteidigungsminister. Um das Rennen an der Parteispitze zu gewinnen, musste Fumio Kishida sich die Unterstützung des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Yoshihide Suga sichern, dessen Ansichten einigen von Kishidas Programmen widersprachen. Das gefiel der Wählerschaft nicht besonders. Bei Amtsantritt waren laut Umfragen nur 49%1 für ihn, während Shinzō Abe mit 66% und Yoshihide Suga, der sein Amt nur von 2000 bis 2001 ein Jahr ausübte, mit 62% Zustimmungsrate begannen.

Die Unterhauswahlen, die letztes Wochenende stattfanden, waren eine positive Überraschung für die LDP, zeigten sie doch, dass die Wählerschaft die Regierungspartei nicht abstrafen, sondern die bestehende Koalition an der Macht halten wollte. Im November wird die Regierung ein neues Konjunkturpaket vorlegen.Wir gehen nicht davon aus, dass es das Wachstum in Japan im Jahr 2022 verändern wird . Das Paket dürfte jedoch einige Maßnahmen zur Ankurbelung des Konsums enthalten, die der LDP im Sommer auch den Sieg bei den Wahlen zum Oberhaus ebnen werden. Bis dahin dürfte die Bank of Japan an ihrer akkommodierenden Einstellung festhalten und so bestätigen, dass sie zu den letzten Zentralbanken mit lockerer Geldpolitik in den Industriestaaten gehört.

Diese Aussichten wurden von den Anlegern, die vielleicht auf eine neue Dynamik wie die der Abenomics warten, bereits eingepreist. Damals war Ministerpräsident Shinzō Abe beliebt, deshalb konnte er ehrgeizige Reformen umsetzen. So wurde die Eigenkapitalrendite (ROE) durch bessere Corporate Governance gefördert und Probleme wie Kreuzbeteiligungen, bei denen ein börsennotiertes Unternehmen Aktien anderer börsennotierter Gesellschaften hält, gelöst. Die quantitativen und fiskalischen Lockerungsmaßnahmen ermöglichten es dem zuvor überbewerteten Yen in drei Jahren, um mehr als 60% abzuwerten, wodurch die japanischen Exporte gefördert und die Performance der japanischen Aktien unterstützt wurden. Ausländisches Kapital strömte ins Land und steigerte die Performance der japanischen Börsen.

Es wird kein Feuerwerk erwartet

Wir rechnen nicht mit einer ähnlichen Erfolgsgeschichte und einer sprunghaften Erhöhung der ausländischen Investitionen. Seit 2018 sinkt die Eigenkapitalrendite (ROE) in Japan und liegt heute im Durchschnitt unter jener anderer großer Industriestaaten.  Darüber hinaus scheint der japanische Yen (JPY) trotz der starken geldpolitischen Lockerung nicht mehr das gleiche Abwertungspotenzial zu haben wie zu Beginn der Regierung Abe.

Wir halten an unserer positiven Einstellung Japan gegenüber fest, da es sich um eine Wette auf den globalen Konjunkturzyklus, die erwartete Outperformance des „Value“-Stils und die Erhöhung der Realzinsen handelt. Ferner überwachen wir die Auswirkungen der schnell steigenden Energiepreise, da sie die Konjunkturerholung in Japan belasten könnten. Denn Japan hat bis auf Kohle  keine nennenswerten heimischen Reserven an fossilen Brennstoffen und muss vor allem Rohöl, Erdgas und andere Energieträger größtenteils importieren.

 

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1 Quelle: NHK, Japantimes.co.jp