27 FEB

2018

Seit letzten Sommer ist Candriam in japanischen Aktien übergewichtet. Seitdem haben sie sich besser entwickelt als internationale und europäische Aktien, sowohl gerechnet in lokaler Währung als auch in Euro.

Premierminister Shinzo Abe wurde im Amt bestätigt und Haruhiko Kuroda bleibt Notenbankchef. Wir überlegen deshalb, welche neuen Einflussgrößen jetzt eine Rolle spielen. Die Aussicht auf eine andauernd lockere Geld- und Fiskalpolitik sowie das Wachstum über Potenzial sprechen weiterhin für Japan. Womöglich bleibt die Politik wachstumsfreundlicher, als von den meisten Marktteilnehmern erwartet.

Bislang war die Übergewichtung japanischer Aktien erfolgreich. Nach unserer Entscheidung für eine Übergewichtung japanischer Aktien im Juli 2017 wurde Shinzo Abe (im Herbst) wiedergewählt. Die Reflationsprogramme, sprich die Abenomics, dürften also fortgesetzt werden. Deshalb hat sich das Geschäftsvertrauen in den letzten Monaten verbessert, auch das Vertrauen kleinerer, binnenorientierter Unternehmen. Der japanische Aktienmarkt ist daraufhin bis Januar 2018 um 20% gestiegen. Weil Japan von der besseren Weltkonjunktur profitieren dürfte, gehen wir davon aus, dass das BIP 2018 das zweite Jahr in Folge über Potenzial wachsen wird (um 1,3% nach 1,8% im letzten Jahr). 

Die BoJ dürfte längere Zeit expansiv bleiben. Abgesehen vom synchronen Wachstum weltweit dürfte auch die expansive Geldpolitik der BoJ die Wirtschaft beflügeln. Die Nominierung der neuen Zentralbanktroika, vor allem die Berufung von Professor Masazumi Wakatabe zum Vize-Gouverneur, bestätigt uns darin, dass die BoJ nicht den anderen Notenbanken folgen wird. In Japan dürfte die Geldpolitik nicht so bald gestrafft werden. Japan wird vermutlich die Deflation besiegen, aber die Inflation scheint niedrig zu bleiben. Deshalb dürften die realen Spreads gegenüber US-Anleihen deutlich steigen. Vor diesem Hintergrund scheint die jüngste Aufwertung des japanischen Yen übertrieben und eine Gefahr für die Erreichung des Inflationsziels von 2%.

Haben sich die Gewinne japanischer Unternehmen von der Währung entkoppelt? In der Regel ist eine Aufwertung des Yen ungünstig für Aktien, weil sie schlecht für Exporteure ist. Da in Japan zurzeit sehr viele Sektoren im Aufwind sind, entstehen Gewinne aber auch im Inland. Seit Anfang 2017 reflektiert die gute Gewinndynamik in Japan in erster Linie das Wirtschaftswachstum. Der erstarkende japanische Yen war kein Hindernis auf dem Weg zu einem verbesserten Gewinnwachstum. Es überrascht daher wenig, dass Nikkei und Yen seit einigen Monaten nicht mehr korreliert sind.