15 FEB

2018

Die Inflationsangst ist zurück – weil das Wachstum erheblich stärker ist als noch vor ein paar Wochen erwartet, der amerikanische Dollar erneut schwächelt und die Rohstoffpreise steigen.

Aber es gibt noch mehr Gründe. Nach fast zehn Jahren mit immer neuen deflationären Überraschungen kommt jetzt der Konsens ins Wanken, dass die Inflation unterdurchschnittlich ist. Auf ihrer letzten Offenmarktausschuss-Sitzung machte Janet Yellen klar, dass die Federal Funds Rate angesichts der Konjunkturentwicklung weiter steigen müsse und bestätigte ein solides Wachstum. In seiner ersten Stellungnahme als US-Notenbankchef bestätigte Jerome Powell, dass die Fed ihre Zinspolitik und ihre Bilanz weiter normalisieren wird. Wir sind der gleichen Meinung wie die Fed: 2018 dürfte die Inflation in den USA anziehen. Außerhalb der USA spricht allerdings nur wenig für Inflationsdruck. Alles in allem gehen wir davon aus, dass das Investmentumfeld 2018 günstig bleibt – dank der wachstumsfreundlichen Geld- und Fiskalpolitik und weil Wirtschaft und Politik recht berechenbar sind.

America First! In den USA ist der Konjunkturzyklus weiter fortgeschritten als in anderen Ländern. Das zeigt auch die niedrige Arbeitslosenquote. Außerdem sorgt die Steuerreform für zusätzlichen Auftrieb, so dass sich die Markteinschätzungen schnell ändern. Seit Ende November sind die Renditen zehnjähriger US-Anleihen um 45 Basispunkte gestiegen, vor allem wegen der steigenden Inflationserwartungen. Mit 77 Basispunkten sind die US-Realrenditen deshalb nach wie vor extrem niedrig und stützen sowohl die Wirtschaft als auch die Aktienmärkte. Auch am US-Anleihenmarkt ist man inzwischen sicher, dass nicht mit einer baldigen Rezession zu rechnen ist. Deshalb haben sich die Marktteilnehmer schnell an die drei von der Fed für dieses Jahr in Aussicht gestellten Zinserhöhungen gewöhnt. In gewisser Weise passen steigende Anleiherenditen und steigende Aktienkurse jetzt besser zusammen. Wir erwarten eine weitere Normalisierung, aber noch keine Übertreibung. Angesichts des stabilen Wachstums könnte die Rendite zehnjähriger US-Anleihen 2018 auf 3% steigen.

Im Euroraum sieht es mit der Inflation allerdings ganz anders aus. Hier scheint sie sich nur sehr allmählich den von der Europäischen Zentralbank angestrebten 2% zu nähern. Sowohl die EZB-Prognosen als auch die Schätzungen professioneller Marktbeobachter stellen in Aussicht, dass die Inflationserwartungen bis mindestens 2020 unter 2% bleiben. Die Januardaten bestätigten die schwache Teuerung. Die annualisierte Verbraucherpreisinflation fiel auf 1,3%, während die Kerninflation bei 1,0% lag. Auch die Euro-Aufwertung in den letzten zwölf Monaten mindert den Inflationsdruck importierter Güter. Die Euroraum-Wirtschaft wächst weiter schnell und nun auch über Potential. Daher gehen wir davon aus, dass in den kommenden Jahren der Druck in der Wirtschaft wieder ansteigen könnte.

Die Auswirkungen auf die Asset-Allokation liegen auf der Hand. Anfang des Jahres waren wir in risikobehafteten Wertpapieren übergewichtet, bei einer unterdurchschnittlichen Duration. Sollten wir auf die allgemeine Inflationsangst reagieren? Da die Weltwirtschaft gerade erst ihre Outputlücke geschlossen hat, die sich nach der großen Finanzkrise aufgetan hatte, erwarten wir keinen anhaltend starken Auftrieb der Kerninflation. Ein Rohstoffpreisschock könnte vorübergehend einige Preise steigen lassen, und auch ein Handels- und Währungskrieg könnte die Preise in vielen Bereichen nach oben treiben. In diesen extremen Situationen würde die Risikobereitschaft wohl zurückgehen, sodass nur wenige Assetklassen Zuflucht böten, beispielsweise Immobilien, Volatilität und Geldmarktanlagen.