03 OKT

2017

Zuweisung von Vermögenswerten , Themen

Alles blickt auf die Bank of England

Nach den letzten Äußerungen der BoE gehen die Marktteilnehmer von einer unmittelbar bevorstehenden Zinserhöhung aus. Sie dürfte am 2. November beschlossen werden. Mit weiteren Zinsanhebungen wird aber kaum gerechnet. Angesichts des im langfristigen Vergleich überdurchschnittlichen Weltwirtschaftswachstums erscheint eine Rücknahme der letztjährigen Notmaßnahmen sinnvoll. Nach der Rede von Premierministerin May in Florenz ist ein sanfter Brexit jetzt wahrscheinlicher, sodass die Angst vor einem starken Einbruch der Binnenwirtschaft nachlässt. Auf britische Anlagen hat all dies drei Auswirkungen.

Besonders augenfällig sind die Folgen für die Währung: Die Bekanntgabe der BoE, die Brexit-Notmaßnahmen zurückzunehmen, hat das Pfund attraktiver gemacht. Aus unserer Sicht ist eine Shortposition im britischen Pfund (GBP) in diesem Umfeld nicht mehr gerechtfertigt. Auffällig ist, dass die Pfund-Shortpositionen an den Derivatemärkten erstmals seit der Brexit-Entscheidung verringert und nahezu glattgestellt wurden. Mehr Pfund-Optimismus würde die BoE zwingen, klarere Angaben zu eventuellen weiteren Zinserhöhungen zu machen.

Davon dürften britische Aktien betroffen sein: Eine Pfund-Aufwertung belastet die Gewinnerwartungen, weil Auslandsgewinne repatriiert würden. Nach unseren Modellen könnte das auf Zwölfmonatssicht erwartete Gewinnwachstum bis zum Ende des Jahres auf ein niedriges einstelliges Niveau fallen. Candriam bleibt deshalb in den Euro-outs untergewichtet, weil sich britische Aktien in lokaler Währung weiter schwächer entwickeln könnten als kontinentaleuropäische Werte. Hinzu kommt, dass die Aussichten auf Mehrertrag von Large Caps gegenüber Small Caps in Großbritannien nachgelassen haben.

Schließlich dürften die Renditen britischer Staatsanleihen steigen; in nur einem Monat haben sie bereits 40 Basispunkte zugelegt: Eine unerwartet restriktive Geldpolitik (die zweifellos restriktiver ist als im Euroraum), eine auch 2018 höhere Inflation als angestrebt (Candriam geht von 2,5% im nächsten Jahr aus) und ein dank der starken Weltkonjunktur und des sanfteren Brexits höheres Wachstum könnten die Renditen britischer Anleihen weiter steigen lassen.